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Wirtschaft

Artikel #5883, »Wirtschaft«, geschrieben von: Josef Kandl (69 %) , Ulrich Fuchs (30 %) , Markus Schweiß(Red.) (0 %)

Wirtschaft, Ökonomie, die Gesamtheit aller Einrichtungen und planvollen Tätigkeiten zur Befriedigung menschl. Bedürfnisse durch Güter. Das Wirtschaften sowohl der einzelnen Menschen als auch der Menschen als Glieder eines Kollektivs lässt sich demnach als fürsorgliche und planvolle Tätigkeit charakterisieren, mit der über knappe Resourcen verfügt wird und, zumindest im heutigen Verständnis, die allgemeine Wohlfahrt im Sinne einer Daseins- und Unterhaltsfürsorge für alle erhöht wird. Bestimmende Teilaspekte sind dabei sowohl die Schaffung wie die Verteilung der Güter. Wirtschaft ist nichts Gegebenes; sie ist von Menschen für Menschen entwickelt und damit ein Teil der kulturellen Leistungen der Menschheit. Die Analyse der Wirtschaft und ihrer Gesetzmäßigkeiten und Regelungsmechanismen ist Gegenstand der Wirtschaftswissenschaft.

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Klassischerweise wird die Wirtschaft in drei Sektoren eingeteilt: Der Primäre Sektor (Urproduktion) umfasst alle Tätigkeiten, die Natur direkt nutzen, insb. also die Landwirtschaft mit verwandten Bereichen (Jagd, Fischerei etc.) sowie den Rohstoffabbau in Bergwerken. Der Sekundäre oder Verarbeitender Sektor bezeichnet die wirtschaftl. Strukturen, mit denen diese Rohstoffe in Produkte umgewandelt werden, insb. die produzierenden Unternehmen einschließl. des produzierenden Handwerks. Den Tertiären Sektor oder Dienstleistungssektor schließl. stellen alle Tätigkeiten dar, bei denen menschl. Tätigkeit ohne Materialumwandlung im Vordergrund steht, insb. also Handel, Banken und Versicherungen, Transport und Verkehr, die sonstigen Dienstleistungsgewerbe sowie alle privaten und öffentlichen Haushalte.

Wirtschaft als integraler Bestandteil täglichen Lebens betrifft die vitalen Interessen aller Menschen. Sie bietet Arbeit und Einkommen, sorgt für die Bereitstellung der Güter auf unseren Märkten und in unseren Geschäften, sichert unseren Lebensstandard, lässt Fabriken, Maschinen, Häuser und Wohnungen, Theater, Schulen und Krankenhäuser entstehen. Wirtschaft erhält die Infrastruktur in und zwischen menschl. Siedlungen. Sie sichert die Haushalte von Kommunen und Staat und damit die Gesundheitsversorgung, die Renten, die Bildung und Erziehung. Die wirtschaftlichen Verflechtungen in und zwischen Betrieben, Konzernen, Ländern, Staaten und Organisationen sind vielfältig und die kausalen und funktionalen Zusammenhänge des Wirtschaftsgeschehens sind sehr komplex.

Darüber hinaus ist die Wirtschaft mit allen anderen Teilgebieten der Gesamtkultur unauflöslich verbunden. Ohne Wirtschaft ist menschliche Kultur undenkbar. Dabei geht es nicht nur um die Deckung des Bedarfs für den Lebensunterhalt sondern auch um die Hilfestellung der Wirtschaft bei der Realisierung von Werten zur Deckung des Kulturbedarfs (Kulturausrüstung), die das ganze Dasein erst sinnvoll machen. Im Zuge der permanenten Fortentwicklung und Steigerung des allgemeinen Lebenshaltungsniveaus sind alle diese Bemühungen den stetig wachsenden Bedürfnissen dynamisch anzupassen.

Marktprinzip

Die Bereitstellung und der Austausch der Wirtschaftsgüter und Dienstleistungen finden auf Märkten statt, auf denen die Marktteilnehmer Angebot und Nachfrage zur Deckung zu bringen suchen. Die Entwicklung ging dabei von der Tauschwirtschaft zur Geldwirtschaft, die heute mit wenigen Ausnahmen das beherrschende Prinzip des Wirtschaftens bzw. der Märkte ist, weil Geld als zwischengeschaltetes Tauschmittel eine starke Arbeitsteilung unter den Marktteilnehmern ermöglicht.

Die nötigen Rahmenbedingungen für den Wirtschaftsprozess setzt die Wirtschaftspolitik. Gewerkschaften, Wirtschaftsverbände und Lobbyisten spielen in der Wirtschaft eine wesentliche Rolle und sind Mitgestalter wirtschaftspolitischer Entscheidungen. Ungleichgewichte im Wirtschaftsgefüge können zu ernsten Wirtschaftskrisen mit globalen Auswirkungen führen (siehe die Entwicklungen um Strom, Gas und Öl).

Die moderne Wirtschaft hat sich über den engen nationalen Rahmen der Volkswirtschaften hinaus entwickelt und es entstanden Wirtschaftsgemeinschaften die ihre Interessen als Mitglieder in einer Vielzahl von Wirtschaftsorganisationen wie der WTO, dem IWF und der Weltbank mit Nachdruck vertreten und damit Beobachter und gleichzeitig auch Akteure des weltwirtschaftlichen Geschehens sind. (→Globalisierung)

Wirtschaftsordnung

Grundlegende Wirtschaftssysteme sind die Marktwirtschaft und die Planwirtschaft die in den einzelnen Volkswirtschaften und Wirtschaftsräumen in unterschiedlichsten Varianten und Ausprägungen zum Einsatz kommen. In der Marktwirtschaft bestimmen Käufer und Verkäufer über Angebot und Nachfrage auf den Märkten den Preis für wirtschaftl. Erzeugnisse und Leistungen, was sich wiederum auf Angebot und Nachfrage auswirkt und so in gewissem Maße eine Selbstregelung bewirkt. In der Planwirtschaft bemüht sich eine übergeordnete Instanz (i. d. R. der Staat), die Nachfrage zu prognostizieren und das Angebot sowie die Preise entsprechen zu steuern.

Die Wirtschaftsordnung der Bundesrepublik Deutschland ist die Soziale Marktwirtschaft. Das Marktprinzip ist hierbei um das Prinzip des sozialen Ausgleichs ergänzt ist. Die Ziele der Sozialen Marktwirtschaft wurden im § 1 des »Gesetz zur Förderung der Stabilität und des Wachstums der Wirtschaft« vom 8. Juni 1967 (kurz Stabilitätsgesetz genannt) formuliert:

  • »Bund und Länder haben bei ihren wirtschafts- und finanzpolitischen Maßnahmen die Erfordernisse des gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts zu beachten. Die Maßnahmen sind so zu treffen, dass sie im Rahmen der marktwirtschaftlichen Ordnung gleichzeitig zur Stabilität des Preisniveaus, zu einem hohen Beschäftigungsstand und außenwirtschaftlichen Gleichgewicht bei stetigem und angemessenem Wirtschaftswachstum beitragen«

Inwieweit diese Zielsetzungen von der realen Politik im jeweils abgelaufenen Jahr erreicht werden konnten, kann dem jährlichen Gutachten des »Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung« entnommen werden. Der Sachverständigenrat der »fünf Weisen« analysiert darin die wirtschaftliche Gesamtsituation der Bundesrepublik Deutschland und deren absehbare Entwicklungen und gibt Handlungsempfehlungen an die Wirtschaftspolitik. Eine Gegenposition hierzu findet sich im ebenfalls jährlich erscheinenden Memorandum für eine wirksame und soziale Wirtschaftspolitik der »Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik«.

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