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Theologie

Artikel #8107, »Theologie«, geschrieben von: J. Poseck (99 %) , Gabriele von Horn(Red.) (0 %) et al.

Scholastik

Zu den Widersprüchlichkeiten des Mittelalters zählen die fast kalte Verwissenschaftlichung der Metaphysik in den Klosterschulen im Gegensatz zu Aberglauben und Dämonenfurcht, die das harte Leben noch zusätzlich bis in Luthers Zeiten beschwerten. Anfangs kann dies mit der elitären Situation der Klöster erklärt werden. Mit Verlagerung der Scholastik in die entstehenden Universitäten war der Schwerpunkt Theologie im Fächerkanon jedoch nicht aufgehoben. Die streng aristotelische Denkweise führte zum Universalienstreit der Begrifflichkeiten, nicht aber zum sich anbietenden Durchbruch der Naturwissenschaften.

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Der Kirchenlehrer Anselm von Canterbury (um 1033 bis 1109) gilt als Begründer der Scholastik. Er selbst sieht sich in der Nachfolge des Augustin von Hippo, seine Gedankenführung erinnert an Platon.

Berühmt geworden ist er noch heute mit seinem sog. ontologischen Gottesbeweis. Danach ist Gott das, worüber nichts Größeres gedacht werden kann. Behauptet man nun, dies Wesen sei nur gedacht, so läßt sich ein höheres Wesen denken, das in der Wirklichkeit existiert. Die Idee des höchsten Wesens muss deshalb nicht nur in der Vernunft, sondern auch in der Wirklichkeit existieren. Schon diese Gedankenführung verkörpert die scholastische Epoche. Neu ist, dass der Benediktiner Gaunilo in seiner Schrift Liber pro insipiente (Buch über den Unverstand) erwiderte, wenn er eine vollkommene Insel denke, folge daraus nicht, sie sei existent. Der große Anselm erwiderte in seiner Rechtfertigungschrift (Liber apologeticus adversus respondentem pro insipiente), Gott sei aber keine begrenzte Insel, sondern die Idee Gottes sei wegen ihrer Vollkommenheit ein einmaliger Fall. Diese Form des Dialoges über Begriffe verdeutlicht den Geist der Scholastik noch deutlicher.

Zur Zeit der Hochscholastik war die Theologie in heutigem Verständnis in allen Fächern ausgebildet. Das heißt, es hat eine wissenschaftliche Durchdringung aller Gegenstände des Glaubens stattgefunden. Der Kirchenlehrer Thomas von Aquin (um 1225 bis 1274) hinterließ eine vollständige Theologie in aristotelischer Denkweise, die sich als verbindlich durchgesetzt hatte.

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