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Theologie

Artikel #8107, »Theologie«, geschrieben von: J. Poseck (99 %) , Gabriele von Horn(Red.) (0 %) et al.

Apologeten

Während der Zeit der Christenverfolgungen war die Erfahrung der Offenbarung zeitlich und seelisch recht unmittelbar. Es bestand deshalb vorerst kein Bedürfnis, den Glauben mit philosophischen Mitteln zu untermauern. Viel dringlicher war die Notwendigkeit, den Argumenten der Verfolger entgegenzutreten. Das war mehr Plädoyer als Philosophie.

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Eine frühe Rechtfertigung des Glaubens (Apologetik) auf dem Boden antiker Denkweise unternahm Justin der Märtyrer (um 100 bis 165). Er stellte darauf ab, Erkenntnis sei nicht nur durch die Philosophen sondern auch die Propheten zu erlangen. Was jemand Glaube, werde nicht an der formalen Beachtung religiöser Vorschriften sondern am tugendhaften Leben erkannt.

Tertullian (um 160 bis um 220), in Rom praktizierender Anwalt, wandte sich in scharfem Stil gegen die römischen Christenverfolger, aber mit rigorosen Ansichten auch an die eigene Gemeinde. Sein bleibendes Verdienst ist die Einführung einer klaren Terminologie theologischer Probleme für die lateinische Kirche, insbesondere der Trinitätslehre.

Markion aus Paphlagonien (85 bis 160), gegen den sich Tertullian wandte und Tatian der Assyrer (um 120 bis um 185) verkörpern beide zwei Gefährdungen der frühchristlichen Kirche.

  • Bei der Darlegung der eigenen Glaubensauffassung muss notfalls die Schrift redigiert werden. Dies tat Markion, indem er das jüdische AT des Gesetzes verwarf. Tatian fasste die vier Evangelien zu einer Geschichte Jesu zusammen (Diatessaron). Ausgelöst wurde damit eine Diskussion um die kanonischen Schriften, die für die katholische Kirche formal erst im Konzil von Trient (1546) abgeschlossen wurde.
  • Die sich abzeichnenden Lehren führten zu unterschiedlicher Observanz mit teilweise beträchtlicher Verbreitung und selbständigen Kirchen, lange vor dem Morgenländischen Schisma.

Mit der Zeit bildeten sich zwei bedeutende theologische Schulen heraus, die mit unterschiedlichen Methoden die Glaubenslehre zu systematisieren suchten.

Die Theologen in Alexandria lehrten auf der Grundlage hellenistischer Denkweise. Bedeutende Vertreter waren Klemens von Alexandria (zwischen 140/150 bis um 215) und Origines (um 185 bis 254).

Im syrischen Antiochia entwickelte sich die schriftnahe Ausbildung der Lehre (Exegese). Bedeutende Vertreter waren Theodor von Mopsuestia (um 350 bis 428), Johannes Chrysostomos (zwischen 344 und 354 bis 407) und Theodoretos von Kyrrhos (393 bis um 460).

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