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Recht ((Werteordnung))

Artikel #5612, »Recht ((Werteordnung))«, geschrieben von: B. Brockhorst (99 %) , Josef Kandl(Red.) (0 %)

Kodifiziertes Recht – Gewohnheitsrecht – Richterrecht

Kodifiziertes Recht (lat. codex, im röm. Recht für „Gesetzessammlung“ stehend) bezeichnet das in allgemeine Bestimmungen gegossene Recht, (Verfassung, Gesetz, Rechtsverordnung), regelmäßig gekennzeichnet durch die Gliederung in Abschnitte (Paragraphen, oder Artikel).

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Gewohnheitsrecht ist ungeschriebenes Recht, das eine im kodifizierten Recht bestehende Lücke füllt und durch eine längere Übung und durch die Überzeugung in der Gesellschaft entsteht, diese Übung als Rechtsnorm anzuerkennen. Es ist verbindliche und gilt als Rechtsquelle. Nicht zu verwechseln ist es mit einer sich gewohnheitsmäßig eingebürgerten Praxis wie z. B. die Zahlung eines Weihnachtsgeldes durch den Arbeitgeber oder das Gewähren des Rosenmontags als freien Tag bei Fortzahlung des Lohns. Das ist kein Gewohnheitsrecht und lässt sich auch nicht als Anspruch gerichtlich durchsetzen. Man spricht vielmehr von Betrieblicher Übung.

Richterrecht ist eine von den Gerichten vorgenommene Rechtsfortbildung, mit der ebenfalls eine im kodifizierten Recht bestehende Lücke geschlossen wird. Es ist geboten, da ein Gericht wegen des Verbots der Rechtsverweigerung (jeder Kläger hat einen Anspruch darauf, dass zu seinem Fall eine Gerichtsentscheidung ergeht) auch bei lückenhaften Regelungen eine Entscheidung finden muss. Das Richterrecht ist nicht zu verwechseln mit dem Fallrecht (Case Law) des anglo-amerikanischen Rechts, das eine tragende Säule in dem dortigen Rechtssystem bildet. Anders als Gewohnheitsrecht wird Richterrecht nicht als Rechtsquelle behandelt. Demzufolge ist es für andere Fälle nicht bindend, andere Gerichte können davon abweichen.

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