Logo

Kunst

Artikel #2602, »Kunst«, geschrieben von: B. Brockhorst (56 %) , Ulrich Fuchs(Red.) (41 %) et al.

Kunst, im engeren Sinne die Elemente der menschl. Kultur, die nicht durch ihre Zweckmäßigkeit, sondern durch ihre begriffene Ästhetik bzw. ihren besonderen Ausdruck Wert für den Menschen entfalten. Im weiteren und ursprüngl. Sinne die Kunstfertigkeit, also auch Dinge der menschl. Kultur, die zweckmäßig sind und gerade durch ihre Zweckmäßigkeit eine über die Funktion herausgehende Schönheit entwickeln.

Anzeigen

Im herkömmlichen Sinne umfasst K. die Bereiche Architektur, Malerei, Bildhauerei, Grafik, Fotografie, Literatur, Theater, Musik, Musiktheater, Ballett, Tanz. Gegliedert werden die einzelnen Sparten häufig in Bildende Kunst (Architektur, Malerei, Bildhauerei, Grafik, Fotografie), Darstellende Kunst (Theater, Ballett, Tanz), Musik, Literatur, und Angewandte Kunst (z. B. Kunstgewerbe) – wenngleich die Übergänge durchaus fließend sind.

Kunstbegriff

K. unterliegt einem sehr weiten Begriffsverständnis. Unterschiedliche Kunsttheorien betonen teils stärker den Künstler bzw. Autoren, teils stärker den Rezipienten. Heute wird K. im wesentlichen definiert über die subjektive Seite derjenigen Person, die aussagt, K. geschaffen zu haben. Zum anderen ist Kunst jedoch auch das, was zunächst von einer gewissen Anzahl an Rezipienten als Kunst (und eben nicht als Kitsch, Handwerk etc.) begriffen wird, letztlich das, was als Kunstwerk handelbar, sammelbar oder ausstellbar, aufführbar etc. ist.

Die Definition von K. über den Rezipienten ist auf der individuellen Ebene unproblematisch: jeder kann für sich entscheiden, was er für Kunst erachtet und was nicht. Stellenweise ist dieser Ansatz gar notwendig: So ist bspw. der postmoderne Ansatz der Kunst ohne Autor (Computerkunst etc.) per definitionem nur über den Rezipienten möglich. Problematisch wird es jedoch, wenn der Staat sich als Rezipient versteht. Über Jahrhunderte hinweg sind Kunstwerke der Zensur zum Opfer gefallen, weil ein Staat sie nicht billigte.

Das heute angewandte weite Verständnis des Begriffs K. über die subjektive Seite ihres Urhebers rührt daher auch aus den besonders einschneidenden Erfahrungen, die der K. in der Zeit des Nationalsozialismus widerfuhr: Die Nationalsozialisten prägten für die ihnen unerwünschten Kunstwerke den Begriff der Entarteten Kunst, diese wurde aus der Öffentlichkeit verbannt und geschmäht, die Künstler waren häufig Repressalien oder gar der Verfolgung ausgesetzt. Um dieser ruhmlosen Vergangenheit von vornherein eine klare Position entgegenzusetzen, mit der ausgedrückt wird, dass sich so etwas nie mehr wiederholen darf, wurde der Kunstfreiheit im deutschen Grundgesetz in Artikel 5 Absatz 3 ein hoher Stellenwert als vorbehaltslos gewährleistetes Freiheitsrecht eingeräumt (siehe hierzu Artikel Kunstfreiheit gemäß Grundgesetz). Das Bundesverfassungsgericht definierte dabei wiederholt, u. a. in der Mephisto-Entscheidung von 1971 (BVerfGE 30, 173), in einer Entscheidung von 1984 zu einem politischen Straßentheater (Anachronistischer Zug; BVerfGE 67, 213) und in seinem Beschluss zum Roman Josefine Mutzenbacher von 1990 (Mutzenbacher-Entscheidung; BVerfGE 83, 130) Kunst als »Ergebnis freier schöpferischer Gestaltung, in der Eindrücke, Erfahrungen und Phantasien« des Künstlers »durch das Medium einer bestimmten Formensprache zur unmittelbaren Anschauung gebracht werden.«

Anzeigen