Logo

Holocaustleugnung

Artikel #819, »Holocaustleugnung«, geschrieben von: B. Brockhorst(Red.) (99 %) et al.

Holocaustleugnung, Begriff für das Bestreiten oder Relativieren des unter der Nationalsozialistischen Diktatur begangenen systematischen Völkermords in den Konzentrations- und Vernichtungslagern (-> Holocaust). Die Holocaustleugner bezeichnen sich selbst als Revisionisten, die der Geschichtsschreibung ihre eigene Sichtweise mit Vehemenz entgegenstellen. Dass ihre Behauptungen sich z.T. widersprechen und überdies einige Erklärungsdefizite aufweisen, wird von ihnen konsequent ausgeblendet. Ihre Hoffnung setzen sie darauf, dass sie an unkritische Leser geraten, die ihren Ausführungen Glauben schenken, oder an solche, die ohnehin nur auf eine solche bestreitende bzw. relativierende Darstellung zum Thema gewartet haben. Die Holocaustleugnung zählt zu den neuzeitlichen Verschwörungstheorien.

Anzeigen

Schon bald nach dem Zweiten Weltkrieg fanden in Deutschland Publikationen vornehmlich in Buchform und in rechtsextremistisch ausgerichteten Magazinen Verbreitung, die den Holocaust mit unterschiedlichen Behauptungen bestritten. Die Argumentation war damals noch nicht einheitlich, u. a. wurde der Völkermord als solcher gar nicht in Abrede gestellt, lediglich die Zahl der Opfer wurde heruntergerechnet. Über die Jahre hinweg betrieben die Holocaustleugner die Perfektionierung ihrer Geschichtsfälschung durch Angleichung ihrer Argumentation, und zugleich die Optimierung ihrer medialen Verwertung, wobei sie die Möglichkeiten der modernen Informationsverbreitung u. a. durch das Internet früh erfasst haben und bis heute ausnutzen.

Der Holocaust wurde und wird nicht nur von denen geleugnet, die aktiv am Mordgeschehen beteiligt waren, als Mitwisser eine Schuld auf sich geladen hatten oder einen Verwandten decken wollen. Man muss gewärtigen, dass die Holocaustleugnung längst eine zweite und dritte Generation erreicht hat und dabei ist, eine vierte zu gewinnen. Die zweite Generation ist eine Nachkriegsgeneration und zeichnet sich aus durch eine unmittelbare Nähe zur Zeit der Nationalsozialistischen Diktatur sowie oft einer Verbindung zu Personen, die in der Zeit gelebt haben (z. B. zu älteren Verwandten). Die dritte Generation sind ab den 1960er Jahren Geborene, bei denen eine Vermutung, sie würden sich schützend vor jemanden stellen wollen, zumindest für die eigenen Eltern aufgrund derer Jugend im Nationalsozialismus nahezu unwahrscheinlich wird; die vierte Generation sind die ab 1980 / 1990 Geborenen, die sich durch die massive Beeinflussung - über persönliche Kontakte wie auch massenmedial - berufen fühlen, eine der Geschichtsschreibung gegenläufige Ansicht einzunehmen und weiterzutragen.

Zu den Motiven der Holocaustleugner zählen u. a.:

  • Politische Ziele: Der Nationalsozialismus soll rein gewaschen und als politisches Modell wieder gesellschaftsfähig gemacht werden.
  • Antisemitisch geprägte Haltung: Eine angebliche "jüdische Weltverschwörung" habe zu der heutigen historischen Darstellung und Bewertung des Holocaust geführt.
  • Psychologisches Motiv: Umfang und systematische Durchführung des Holocausts waren so außerordentlich, dass "nicht sein kann, was nicht sein darf“: nämlich zu erkennen und zu konzedieren, dass Menschen zu diesem Völkermord in seiner zudem industriemäßig angelegten Durchführung fähig waren.
  • Politisches Ziel, den Staat Israel zu diskreditieren: Ein aus der politischen Situation im Nahen Osten geschaffenes Motiv, das von einigen dort wirkenden Personen und sogar namhaften Politikern der Region ohne weiteres Hinterfragen dazu benutzt wird, gegen den Staat Israel verbale Geschütze aufzufahren.

Holocaustleugnung ist in einigen westeuropäischen Ländern, darunter in Deutschland, Österreich und der Schweiz strafbar.

Anzeigen