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Anthropologie

Artikel #7821, »Anthropologie«, geschrieben von: A Bickel(Red.) (100 %)

Anthropologie (griech. ἄνθρωπος = ánthropos, Mensch und λόγος = lógos, Lehre), die Lehre vom Menschen im allgemeinen; in Deutschland Oberbegriff für zwei Disziplinen: eine naturwissenschaftl. und eine geisteswissenschaftliche. Jene beschäftigt sich mit der Evolution des Menschen, diese dagegen mit Willensfreiheit und Selbstbestimmung. Auch im angelsächs. Sprachraum unterscheidet man zwei Hauptbereiche: die Sozial- oder Kulturanthropologie einerseits und die physische A. andererseits, die die Anpassung des Menschen an die Umwelt behandelt.

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Die Wurzeln der A. finden sich bei Aristoteles, der den Menschen sowohl als zoon logikon (vernunftbegabtes Lebewesen) als auch als zoon politikon (Lebewesen in der Gemeinschaft) definierte und untersuchte. Von der Kolonisationszeit des 16. Jh. an trat die Frage nach der Gleichartigkeit der Menschen mehr und mehr in der Vordergrund (Rassen, Stände). Seit Thomas von Aquin waren Vernunft und Freiheit bestimmende Merkmale des Menschen – bis Kant und Herder; danach wurde A. zunehmend materialistischer gesehen. Eine erste Revolution war dann Darwins Evolutionstheorie, die einen besonderen göttl. Schöpfungsakt verneint. Die zweite Revolution kam mit Freuds Entdeckung unbewusster Triebkräfte, die die klass. Definition des Menschen als rationales Wesen (von Aristoteles bis über Kant hinaus nie bestritten) in Zweifel zog.

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